Die Berichtssaison der Unternehmen ist vorbei und zum Schluss - wie schon öfter erwähnt - überwiegend positiv ausgefallen. Jetzt richtet sich das Hauptaugenmerk auf makroökonomische Faktoren wie Verbrauchervertrauen, Auftragslage und Arbeitsmarkt. Die Daten, die im Juni veröffentlicht werden, sind von großer Bedeutung. In diesen Zahlen werden Meinungen und Stimmungen des Monats Mai wiedergegeben. Hier bekommen wir den ersten unverfälschten Eindruck, da Kriegsängste keine Berücksichtigung mehr gefunden haben. Die Pessimisten, die jetzt weniger Möglichkeiten zum Schimpfen haben, konnten ihre nächste Trumpfkarte aus dem Ärmel ziehen. Deflation heißt das Gespenst, das uns die bessere Laune verderben soll. Was steckt hinter diesem Phänomen? In einer Deflation steht - vereinfacht gesagt - einer größeren Gütermenge eine geringere Geldmenge gegenüber. Das führt entsprechend zu fallenden Preisen. Durch diesen Vorgang halten sich Unternehmer mit Investitionen und Verbraucher mit Konsum in Erwartung weiterer Preisrückgänge zurück. Dass dieser Vorgang eine Abwärtsspirale auslösen kann und Gift für jede Volkswirtschaft darstellt, brauche ich Ihnen, liebe Leser, an dieser Stelle nicht weiter zu verdeutlichen. Noch steigen die Preise, wenn auch mit stark verringerter Geschwindigkeit, auf Grund der konjunkturellen Entwicklung. In den letzten Jahrzehnten ist es den Amerikanern und Europäern trotz Rezessionsphasen gelungen, Deflation zu vermeiden. In Japan hingegen konnte diese Entwicklung nicht aufgehalten werden. Dort kämpft man nach wie vor erfolglos dagegen an. Einmal in dem Sumpf angekommen, ist er nur schwer wieder zu verlassen. Gerade das Beispiel Japan stimmt mich optimistisch, dass vor allen Dingen in den USA eine mögliche Deflation verhindert werden kann. Im Gegensatz zu Japan hat man frühzeitig von Seiten des Staates und der Notenbank reagiert. Der schwache Dollar kommt den USA bei der Deflationsbekämpfung zusätzlich zu Hilfe. Der amerikanische Aktienmarkt beginnt, die gegebenen Chancen bereits zu spielen. Der Abstand bei der Wertentwicklung seit den Tiefstständen zu den europäischen Börsen wurde zum Ende des Monats durch eine Aufholjagd verkürzt. Technologieaktien gehörten zu den stärksten Gewinnern. Dieser Trend sollte anhalten. Aus diesem Grunde ist nach wie vor eine Übergewichtung amerikanischer Dividendentitel mit Beimischung von Hightechwerten zu empfehlen. Hierzulande hält weiter die inszenierte Trostlosigkeit an. Die Europäische Zentralbank hat es nicht vermocht, im Mai den längst fälligen Zinsschritt nach unten zu vollziehen. Die Preisstabilität ist schon seit längerer Zeit nicht mehr gefährdet. Trotzdem haben es die Zentralbanker nicht geschafft, der Wirtschaft noch schneller und entschiedener billiges Geld zur Verfügung zu stellen. Im Juni wird die lange geforderte und erwartete Zinssenkung über die Bühne gehen. Das dann erreichte Niveau kommt für mich fast ein Jahr zu spät. Sicherlich sollten wir den Amerikanern nicht alles nachmachen. Alan Greenspan und seine Vorgänger hingegen stellten schon immer das Wirtschaftswachstum an die vorderste Stelle und danach erst kam die Geldwertstabilität zum Zuge.
Auch in Deutschland bleibt nur das Chaos stabil. Die Agenda 2010 von der Regierung Schröder geht den einen zu weit und den anderen nicht weit genug. Es allen recht zu machen, ist, wie jeder von uns schon als Kind gelernt hat, unmöglich. Von der deutschen Industrie werden die Vorschläge zum größten Teil begrüßt und unterstützt. Das wäre zumindest ein Anfang, der - von wem auch immer - in Zukunft ausgebaut werden muss. Die „beste“ Rolle spielen in der jetzigen Phase aber die Gewerkschaften. Wie kann man zum aktuellen Zeitpunkt, zu dem die Wirtschaft wie ein angeschlagener Boxer am Boden liegt, mit Streiks noch den K.O.-Schlag versetzen? Mit dieser Politik werden weitere Arbeitsplätze vernichtet. Die Aufgabe der Gewerkschaftsbosse sollte in der Erhaltung von Jobs bestehen. Sie bekommen es eben nicht in die Reihe, während wirtschaftlicher Boomphasen höhere Forderungen durchzusetzen und im Laufe von Durststrecken sich in Enthaltsamkeit zu üben. Vielleicht schlummern bei den Gewerkschaften und Betriebsräten die größten Einsparpotentiale. Der Anstieg des Euro hat sich in den letzten Tagen verlangsamt. Nach der möglichen Zinssenkung in Europa verringert sich auch der Zinsvorteil, den der Euro gegenüber dem Dollar vorweisen kann. Trotzdem muss das nicht das Ende des Euro-Höhenfluges sein, was der wirtschaftlichen Logik entsprechen würde. Ist die Hammelherde erst einmal losgelaufen, kommt sie nicht so schnell zum Stehen. Wenn es nach dem derzeitigen Stand der beiden Volkswirtschaften ( USA und Europa ) ginge, müsste der Dollar bald wieder an Stärke gewinnen. Aber Börsenlogik hat nie etwas mit Alltagslogik zu tun! Bei den Zinsanlagen gibt es nicht viel Neues. Der Bund-Future in Deutschland erreichte ein Rekordhoch, was dementsprechend niedrigste Zinsen bedeutet. Die Zinssätze werden sich erst bei Andeutung einer Konjunkturerholung nach oben bewegen. Diesen Trend würde ein steigender Aktienmarkt noch untermauern, da Gelder für den Kauf von Aktien aus dem Rentenmarkt abgezogen werden müssten. Das führt bei festverzinslichen Wertpapieren zu Kursverlusten und zur Steigerung der Renditen.
Anleger mit hohen Anleihebeständen sollten wachsam bleiben und nach wie vor eine Höhergewichtung von Aktien anstreben. Wie das genau aussehen kann möchten wir Ihnen gerne persönlich aufzeigen. |