Die internationalen Börsen bleiben weiterhin im Banne eines Irakkonfliktes. Der genaue Zeitpunkt jeglicher Entscheidung ist nach wie vor ungewiss. Für die notwendige Entspannung an den Märkten wird nur eine friedliche oder schelle militärische Lösung hilfreich sein. Die Besorgnis über ein Eskalieren im Nahen Osten treibt die Rohölnotierungen weiter in die Höhe. Ein Barrel Öl (159 Liter) ist im Berichtsmonat Februar in den USA auf den höchsten Stand seit der Kuwait-Invasion des Irak 1990 gestiegen. Im Gegensatz dazu lastet der größte Druck weiterhin auf dem Aktienmarkt. Ausgewählte Aktientitel sind teilweise unter ihre Septembertiefststände gefallen. Die Dividendenrenditen einiger Qualitätstitel liegen über der Verzinsung 10-jähriger Anleihen. Angesichts der Ungewissheit über den Zeitpunkt eines möglichen Konfliktes ziehen wir es weiterhin vor, ihr Portfolio auf Grundlage von wirtschaftlichen Fundamentaldaten und Bewertungen zu positionieren, statt zu versuchen, den Zeitpunkt jeglicher spekulativer Marktbewegungen und eines möglichen Krieges zu erraten! In dieser Phase der Marktbewegung finden gute konjunkturelle Neuigkeiten kein Gehör. Mehrere Geschäftsklimaindizes ließen wieder Lebenszeichen erkennen. Nicht nur der deutsche Ifo-Geschäftsklima-Index erholte sich, sondern auch der französische INSEE-Index und der italienische ISAE.
Impulsgeber für ein Aufhellen der wirtschaftlichen Situation in den USA sind nicht zuletzt die wieder erstarkte Industrieproduktion sowie Lagerbestände, die auf ein Minimum geschrumpft sind. Robuste Konjunkturdaten bestätigten die Tatsache, dass die US-Wirtschaftserholung wieder an Fahrt gewinnt und ließen den Februar etwas versöhnlicher ausklingen. Das US-Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal wuchs überraschend um annualisierte 1,4 Prozent. Prognosen von 1,0 Prozent wurden damit deutlich übertroffen. Der von der Universität Michigan ermittelte Index zum US-Verbrauchervertrauen fiel im Februar besser aus als erwartet. Trotzdem reduzierte sich dieser Index auf den tiefsten Stand seit neun Jahren. Abgerundet wurde die Zahlenflut durch den Fabrikindex der Einkäuferorganisation NAPM. Mit 54,9 Zählern notiert dieser über der kritischen Marke von 50 Punkten und signalisiert damit steigende Wirtschaftsaktivität. Von der heimischen Finanzwelt konnten wir leider keine ähnlich positiven Nachrichten vernehmen. Die deutschen Banken stehen im Februar im Mittelpunkt von Spekulationen. Angesichts der hohen Verluste, milliardenschwerer Kreditausfälle und der andauernden konjunkturellen Talfahrt reißt die Serie von Hiobs-Botschaften der Geschäftsbanken nicht ab. Das heizte erneut Spekulationen um mögliche Schieflagen an. Die Lage einiger Kreditinstitute ist so schwierig wie schon seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Sie sind kaum noch willig und in der Lage, ihrer zentralen Rolle in unserer Volkswirtschaft nachzukommen – Unternehmen mit ausreichendem Kapital zu versorgen. Berichte über Finanzprobleme bei der HypoVereinsbank AG führten zu weiterer Verunsicherung an der Börse. Der Aktienkurs der HVB, vor einem Jahr noch über 40 Euro, stürzte um zeitweise gut 15 Prozent an einem Handelstag auf nur noch ca. 8 Euro ab. Die Meldungen zur Commerzbank sehen nicht viel besser aus. Über die Gründung einer „Bad Bank“ mit staatlichen Bürgschaften, zur Ausgliederung fauler Kredite, wurde ernsthaft nachgedacht. Unser Pharmasektor bezog ebenfalls eine gehörige Portion Prügel. Die Aktie des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer fiel im Februar auf ihren tiefsten Stand seit fast zehn Jahren. Mögliche Schadensersatzansprüche wegen zurückgehaltener Berichte zu Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers „Lipobay“/“Baycol“ summieren sich. 7800 Klagen, überwiegend in den USA, sind dem Unternehmen zurzeit anhängig. Das Medikament Lipobay war im August 2001 vom Markt genommen worden. Die Höhe der diskutierten Ansprüche sollten Bayer-Aktionäre noch nicht so ernst nehmen. Die zahlreichen Prozesse gegen US-Tabakkonzerne haben eindrucksvoll bewiesen, dass die zum Prozessbeginn eingeklagten Summen deutlich zu hoch angesetzt waren. Die Unternehmen wurden am Ende nur zur Zahlung eines geringen Bruchteils verurteilt. Auf europäischer Ebene streute der niederländische Einzelhandelskonzern Ahold mit seinem Bilanzskandal noch zusätzliches Salz in die Suppe.
Sicherlich fällt es Ihnen schwer, in der aktuellen Phase ruhig zu bleiben. Die erhitzten Börsengemüter erlauben es kaum die notwendige Objektivität zu bewahren. Wie lautet doch ein alter Börsenspruch: „ Für einen Anleger ist es nützlicher, über eine Sache nachzugrübeln, ohne etwas zu unternehmen, als etwas zu unternehmen, ohne nachzugrübeln“. |