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Impulse 2/2003

 

Aus unserem Archiv:
hier die Ausgabe vom Februar 2003

Mit einem richtungweisenden Auftakt für das Börsenjahr starteten die Märkte an den ersten beiden Handelstagen sehr dynamisch. Die meisten Marktteilnehmer stießen erst in der zweiten Woche dazu und sorgten für entsprechende Umsätze. Die Leitindizes notieren nach diesem fulminanten Start inzwischen wieder im Minus. Unser DAX rutschte deutlich unter die Marke von 3000 Punkten und nimmt Kurs auf die Tiefstände von September/Oktober mit knapp 2500 Zählern. Die Talfahrt an den internationalen Börsen nahm im Verlauf des Monats an Dynamik zu. Man fragt sich, was immer noch in den Kursen diskontiert wird. Der Truppenaufmarsch der Amerikaner am persischen Golf blieb im Januar das beherrschende Thema. Das von Präsident G. W. Bush vorgelegte Programm zur Stimulierung der US-Wirtschaft im Umfang von USD 670 Mrd. über die nächsten 10 Jahre wurde von den Marktteilnehmern positiv aufgenommen.

Viele gute Nachrichten und Ergebnisse von Unternehmensseite zum laufenden Quartal wurden von den Börsianern zeitweise gänzlich ignoriert. Die deutschen Automobilhersteller zum Beispiel überboten sich auf der Autoshow in Detroit mit Erfolgsmeldungen. Audi peilt nach eigenen Angaben nun das achte Rekordjahr in Folge an. Auffallend erfreuliche Meldungen kamen auch aus dem Technologiebereich. Halbleiterhersteller Intel, Internetportal Yahoo!, US-Softwarehersteller Siebel Systems, Nortel Networks oder Amazon um nur einige zu nennen, überzeugten mit ihren Berichterstattungen. Weitere Ergebnisse zum laufenden Quartal fielen überwiegend positiv aus. Je länger die Börse jedoch mit der Ungewissheit eines Krieges umgehen muss, desto weniger sind die Investoren bereit, ein Ohr für gute Nachrichten zu haben, die aus der Fülle an Informationen mehr und mehr durchdringen. Diesen Gegensatz zwischen Börsen- und Wirtschaftsentwicklung konnten wir während der letzten Hausse mitverfolgen. Die Mehrzahl der handelnden Akteure überhörten zum damaligen Zeitpunkt die im Markt lautstark diskutierten Gefahren. Die Nerven liegen derzeit wieder einmal blank. Die Psychologie an der Börse ist nach wie vor schlecht und wird durch die immer noch stärker beachteten Negativkommentare belastet. In diesem Umfeld stark zu bleiben und die Nerven zu behalten fällt schwer. Aber bitte glauben Sie uns, es wird auch ein Leben nach einem eventuellen Krieg geben. Die erfahrenen derzeitigen Käufer, zu denen auch wieder verstärkt Privatanleger gehören wissen das und versuchen aus der bestehenden Unsicherheit ihren Nutzen zu ziehen. Wer dem nicht glaubt, sollte sich immer wieder die Beispiele aus der Börsengeschichte vor Augen führen. Ein Blick zurück zeigt, dass die Börsenreaktion nach Schocks einem klaren Muster folgte. Wer in den Krisen kaufte, machte in den meisten Fällen Gewinn!

EreignisJahrBei EintrittNach 126 Handelstagen 
Korea Krieg1950-12,00%+19,20% 
Kuba Krise1962-9,40%+28,70% 
Kambodscha1970-14,40%+20,70% 
Falkland Krise1982 +4,30%+20,80% 
Golf Krieg1990/91- 4,30% +18,00% 
Russland Krise -11,30%+25,00% 

Der Ende Januar vorgelegte Bericht des UN - Waffeninspektors Hans Blix und die Rede des US-Präsidenten G. W. Bush brachten der Börse keine positiven Impulse. Niemand sollte irgend welchen Träumen oder Trugbildern nachjagen. Der amerikanische Präsident machte eine klare Ansage: Ziel ist die Entwaffnung aller Diktaturen, die grenzüberschreitend den Terror organisieren und über Waffenvernichtungswaffen verfügen. Auch nachdem offene Punkte geklärt sind, wird sich an der strategischen Grundfrage der amerikanischen Irak - Politik nichts ändern. Saddam Husseins politisches Schicksal scheint beschlossen. Die Spekulationen um den weiteren Ausgang des Konfliktes ließen den Dollar stellenweise auf ein Drei - Jahreshoch klettern. Beim Gold sehen wir ähnliche Entwicklungen. Ist jedoch dieses Edelmetall als „Fluchtinvestment“ noch zeitgemäß? In welchen Bereichen der modernen Wirtschaft oder monetären Zentralbankpolitik wird Gold noch „hoch“ gehandelt? Lassen Sie sich nicht von dieser Spekulation anstecken. Das Öl spielt nach wie vor die zentrale Rolle. Der seit vier Wochen andauernde Generalstreik in Venezuela trieb den Ölpreis weiter in die Höhe. Der schon ab dem 2. Dezember andauernde Streik hat das Land bisher rund 4 Mrd. US $ gekostet. Nach Regierungsangaben beläuft sich der Schaden auf rund 4,5% des Bruttosozialproduktes. Die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) haben indes einen Ausgleich der durch die Streiks in Venezuela bedingten Ausfälle der Ölexporte beschlossen. Dadurch sollen die internationalen Ölmärkte beruhigt und eine erneute Verteuerung des Öls über 30 US-Dollar je Barrel verhindert werden. Das Kriegsthema lässt zur Zeit auch beim „Schwarzen Gold“ keine nennenswerte Entspannung zu. Der hohe Ölpreis hat bei uns in Deutschland zu einem Preisanstieg geführt. Von Dezember bis Januar stiegen die Preise laut einer Schätzung des statistischen Bundesamtes um 0,9 Prozent.

Die noch mutigen unter Ihnen sollten starke Kursrückschläge zu Käufen oder Nachkäufen nutzen. Allerdings achten Sie dabei immer auf die Ausgewogenheit bei Ihrer gesamten Vermögensstruktur. Und bitte denken Sie immer daran, dass der Slogan „Diesmal wird alles anders“ die teuersten Worte an der Börse bleiben!


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