Was war das für ein Börsenjahr 2003?! Eines steht fest, es wird in die Geschichte eingehen. Zu Tode betrübt und himmelhoch jauchzend, in dieser Reihenfolge lassen sich die vergangenen 12 Monate trefflich beschreiben. Nahm man zu Beginn des Jahres das Wort Aktie in den Mund, musste man noch befürchten, gesteinigt zu werden. Aus Angst vor Dividendentiteln wurde Panik, die im März mit dem Beginn des Irakkrieges ihren Höhepunkt fand. Aktien wurden, egal zu welchem Preis, von privaten und vor allem institutionellen Anlegern auf den Markt geschmissen. Die Folge waren seit Jahren nicht mehr gesehene Tiefstpreise. Des einen Freud ist des anderen Leid. Nach diesem Motto handelten wenige erfahrene Börsenprofis und nutzen die Ausverkaufskurse zum Einstieg in den Markt. Natürlich sind wir besonders stolz mit unserer Einschätzung zur Börse richtig gelegen zu haben. Dass dies kein Geschwätz ist, können Sie den zahlreichen Börsenkolumnen in unseren Adlatus Impulsen, sowie den wöchentlich erscheinenden Bericht in der Zeitung, Blitzpunkt rückblickend entnehmen. Wir schworen selbst in den schwärzesten Momenten auf Grund unserer jahrelangen Erfahrung der Aktie die Treue. Mit den Empfehlungen regional Amerika und Deutschland sowie bei den Branchen Technologie überzugewichten, lagen wir ebenfalls gold richtig. Lohn für diese Arbeit liegt zusätzlich bei dem von n-tv veranstalteten Börsencontest 2003 mit einer stolzen Wertentwicklung von über 40 Prozent. Damit ist es uns gelungen, den entsprechenden Vergleichsindex deutlich zu schlagen. Zusammenfassend lässt sich sagen: 2003 war das Jahr der Aktie, des Euro und des Goldes. Das soll als Rückblick genügen – wichtiger ist die Sicht nach vorn! An unserer Einstellung hat sich trotz des Jahreswechsels nichts geändert. Die Voraussetzungen für ein Fortsetzen des positiven Trends an den Aktienmärkten sind nach wie vor gegeben. Das Einzige was uns dabei stört ist, dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer sich ebenfalls sehr optimistisch zu den Chancen der Aktien äußert. Im letzten Jahr haben diese „ Profis“ mit ihren Einschätzungen noch gnadenlos daneben gelegen. Jetzt wird wieder die Nase in den Wind gehalten. Dass wir gerne antizyklisch und gegen die breite Meinung der Masse handeln, wissen Sie bereits liebe Leser. Wenn wir die Konsensschätzungen dieser Leute zu Grunde legen, sollte zum Beispiel der Dax im Mittel bei 4500 Punkten am Jahresende liegen. Diese Schätzung könnte unserer Meinung nach zu vorsichtig sein und so würde es uns nicht wundern, wenn man mit diesen Schätzungen erneut das Ziel verfehlt. Aus diesem Grunde sollen Aktienbestände gehalten oder noch ausgebaut werden. An dieser Stelle möchten wir in unserer Börsenrubrik auf eine wichtige Neuerung hinweisen. Im Anschluss an den gewohnten Marktkommentar werden wir detaillierter auf spezielle Themen aus der Finanzwelt eingehen. Starten möchten wir mit einer der zukunftsträchtigsten Wachstumsregion unserer Welt: CHINA. Ein Gigant ist wieder erwacht. Die Betonung liegt auf wieder, denn historisch gesehen war China die längste Zeit Wirtschaftsmacht Nr. 1 und verlor diese Position erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Selbstüberschätzung und eingebildete Unfehlbarkeit stürzten das Land von seinem hohen Sockel. Die industrielle Revolution wurde zum damaligen Zeitpunkt vollkommen verschlafen. Erst nach gut 150 Jahren und dem Durchleben mehrerer politischer Systeme werden durch die fortschrittliche Wirtschafts- und Finanzpolitik immense Kräfte und Ressourcen freigesetzt. Der größte Trumpf der Chinesen ist die gigantische Bevölkerungszahl und die daraus entstehende demografische Entwicklung. Ausländische Investoren stehen Schlange und machen den Regierenden den Hof. Zu verlockend sind die Chancen, die von den zahlreichen Konsumenten ausgehen. Einen weiteren Riesenvorteil bieten die extrem niedrigen Produktionskosten, die auf geringsten Löhnen beruhen. Das chinesische Lohnniveau liegt selbst deutlich unter dem von Osteuropa. Das klingt für die meisten Konzernlenker wie das Paradies; billigste Produktion und einen der größten Absatzmärkte vor der Haustür. Die Bevölkerung hat in fast allen Lebensbereichen riesigen Nachholbedarf. Und der muss erst einmal befriedigt werden. Durchschnittlich 8 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr seit 1995 belegen eindrucksvoll die oben dargestellten Chancen. Risikobewusste Investoren mit längerem Anlagehorizont sollten über ein sinnvolles Chinainvestment nachdenken. Dabei sollte man das immer noch marode Bankensystem, strukturelle Schwächen und die angespannte Handelsbeziehung mit den Vereinigten Staaten nicht außer acht lassen. |